Fotocredit: management club/APA-Fotoservice/Rastegar

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Wien (OTS) – Die Suche nach Möglichkeiten an Geld zu kommen, um
abseits von klassischen Bankkrediten Projekte und Innovationen zu
finanzieren, ist besonders für Start-Ups und kleinen Unternehmen
wichtig. Eine Diskussion im management club brachte etwas Licht in
den crowdfunding-Dschungel.

Der Wirtschaftsbund Österreich und der management club
veranstalteten am 9. April 2013 eine Diskussion zum aktuellen Thema
Crowdfunding. Am Podium nahmen Michael Ikrath (Abg.z.NR,
Generalsekretär Österr. Sparkassenverbandes), Günther Stummvoll
(Abg.z.NR, ÖVP-Finanzsprecher), Bettina Lorentschitsch
(Unternehmerin, Obfrau Bundessparte Handel, Vizepräsidentin
Wirtschaftsbund), Markus Roth (Bundesvorsitzender Junge Wirtschaft)
und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) Platz und beleuchteten
unter der Moderation von Andreas Lampl (FORMAT) Chancen und Risiken
alternativer Finanzierungsformen.

Der Öffentlichkeit wurde das Thema Crowdfunding erst mit dem
Waldviertler Schuhproduzenten Heini Staudinger und seiner
Auseinandersetzung mit der FMA bekannt. Das Problem ist ein
grundsätzliches: Die Bonität von Unternehmen und strengere Regeln für
Banken verhindern oft die Finanzierung von Projekten und Innovation
in Unternehmen, bzw. überhaupt deren Gründung. Hier greift
Crowdfunding ein: “Risikobehaftete Projekte und Produktideen von
Neugründern werden international gesehen kaum über Bankkredite
sondern über Crowdfunding finanziert.” stellt Roth fest. Auch die
Wirtschaftskammer nimmt sich des Themas an. “Crowdfunding ist
definitiv kein Randthema. Wir unterstützen Modelle neuer
Finanzierungsformen intensiv und haben einen Gesetzesvorschlag dazu
vorgestellt.” so Lorentschitsch.

Neue Modelle stoßen allerdings schnell an die Grenzen der
Gesetzgebung. “Momentan gibt es die rechtlichen Grundlagen noch
nicht, eine Reform vor dem Sommer wäre allerdings möglich, da sich
alle Parteien grundsätzlich einig sind, dass etwas passieren muss”,
so Stummvoll, der den Entwurf der Wirtschaftskammer und der Jungen
Wirtschaft begrüßt. Beinhalten sollen die Gesetze eine Neudefinition
des Einlagengeschäfts, Obergrenzen für die Investitionssumme und eine
gestaffelte Prospektpflicht. Transparenz ist heute, gerade wenn viele
Menschen beteiligt sind, wichtiger denn je, auch die Risiken müssen
dementsprechend gut dargestellt werden. Für Lorentschitsch sind auch
noch Fragen aus der Realwirtschaft offen, z.B. ob und wie solche
Investitionen zu versteuern sind.

“In Österreich regiert die Mentalität der Sicherheit”, so
Stummvoll. Ikrath hakt hier ein: “Es gibt keine Equity Culture in
Österreich, kein Seed Capital und nur Ansätze von Venture Capital.
Crowdfunding würde sicherlich die gesamte Investitionskultur beleben.
Allerdings stellt die ausgeprägte Anlegerschutzkultur ein Problem
dar.” Die grundsätzliche Frage ist, welche Kultur wir haben und leben
wollen: Sicherheit und Schutz oder Freiheit und Eigenverantwortung?

Wie sich die Zukunft von Crowdfunding gestaltet ist schwer
vorherzusagen: “Das alles ist bezogen auf Österreich momentan noch
Kaffeesudlesen”, so Sagmeister, “Die Nachfrage wird allerdings immer
größer, es stößt in eine Marktlücke.” Die aws übernimmt seit vielen
Jahren Risiko bei Projekten die sich eventuell auch für Crowdfunding
eignen würden, um u.a. mehr Innovation zu fördern.
Das Potential ist jedenfalls riesig. Die Wachstumsraten in den USA
liegen bereits bei 85 Prozent, Österreich hätte hier die Chance
europäischer Vorreiter im Crowdfunding als alternative
Finanzierungsform zu werden.

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OTS0041 2013-04-12 09:34 120934 Apr 13 EVT0001 0475